Joseph-Ignace Guillotin

Heute vor 205 Jahren starb in Paris ein Mann, dessen Namen man bis heute mit einem Tötungsgerät in Verbindung bringt. Wer war er und hat er das Fallbeil wirklich erfunden?

Joseph-Ignace wurde am 28. Mai 1738 in Saintes, Westfrankreich, als neuntes von 13 Kindern eines Advokaten geboren. Es ist nur wenig über seine Kindheit bekannt. Er studierte Theologie am Jesuitenkolleg bevor er sich 1763 nach Reims begab und Medizin studierte. Einige Jahre später wechselte er nach Paris, wo er auch promovierte. Er hielt auch Lehrveranstaltungen und war Mitglied bei den Freimaurern. Zu seinen berühmtesten Patienten zählten unter Anderem der Graf der Provence, der später unter dem Namen Ludwig XVIII. König von Frankreich wurde.

Neben den medizinischen Studien hegte Guillotin auch reges Interesse an der Politik. So setzte er sich zum Beispiel für Pressefreiheit ein. Ein weiteres Anliegen war ihm die humane Behandlung von Verbrechern,Verbrechern, denn diese wurden je nach Art des Verbrechens und nach Stand unterschiedlich bestraft. Der königliche Leibarzt Antoine Louise legte im März 1792 den Plan eines neuen Gerätes vor, das er für die Vollstreckung des Todesurteils entworfen hatte. Nach Versuchen mit Schafen und an Leichnamen wurde Ende April die erste öffentliche Hinrichtung mit dem Fallbeil vollzogen. Da diese so wesentlich schneller vorbei war, wurden mit Spottliedern die alte Methoden zurückgefordert. Anfangs wurde das Gerät nach dem Leibarzt „Louisette“ benannt, doch setzte sich– propagiert durch die Zeitungen – der Name „Guillotine“ durch.

Als Arzt waren für Joseph-Ignace aktuelle medizinische Entwicklungen interessant: Er setzte sich für die Verbreitung der aufkommenden Impfung gegen Pocken ein, 1803 sprach er in dieser Angelegenheit bei Napoleon und später auch beim Papst vor. Allerdings war er gegenüber hygienischen Maßnahmen wie Quarantäne von Cholerapatienten oder Feuerbestattungen skeptisch.

Er starb am 26. März 1814 infolge einer Infektion in Paris. Seine Angehörigen wollten sich von der Tötungsmaschine distanzieren und baten die Regierung um eine Änderung der Bezeichnung. Da dies jedoch abgelehnt wurde, änderte die Familie ihren Nachnamen.

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