Der große Brand von Stift Göttweig

Am 17. Juni 1718 ereignete sich eine Katastrophe in dem weithin sichtbaren Kloster Göttweig. Das Stift wurde 1083 als Doppelkloster von Bischof Altmann von Passau gegründet. Die Mitglieder lebten und leben nach den Regeln des Hl. Benedikts. Göttweig erlangte schnell große Bedeutung, was man anhand der regen Bautätigkeit im 12. und 15. Jahrhundert erkennen kann.

Abt Gottfried Bessel (1714-1749) – der unter anderem Hoftheologe und Rektor der Universität Wien war – plante nach Amtsantritt einen Umbau des Stiftes. Nur vier Jahre danach schlug jedoch der Blitz in die Fassbinderei des Klosters ein und löste einen verheerenden Brand aus. Große Teile der Anlage wurden zerstört. Der Prior des Klosters P. Gregor Schenggl zeichnete die Ereignisse für die Stiftschronik auf.

Der Brand brach während der Vespa so gegen 15:10 aus. Es war der Freitag nach Fronleichnam, dh. die Stiftskirche war noch festlich dekoriert, was die Rettung einiger Wertgegenstände erheblich erleichterte.

Die Gesamtsituation war eine sehr ungünstige: Es hatte seit einiger Zeit nicht mehr geregnet, es war an diesem Tag sehr heiß und ein kräftiger Westwind wehte. So konnte sich das Feuer ziemlich schnell auf die angrenzenden Ställe, in denen Heu und Stroh lagerten, ausbreiten.

Abt Gottfried Bessel, der auch Historiker war, versuchte das Archiv, vor allem die Urkunden, zu retten und schickte zwei Vertraute in die entsprechenden Räumlichkeiten. Die beiden warfen alles, was sie finden konnten aus dem Fenster, weitere Ordensbrüder brachten die Archivalien in Sicherheit. Der Stiftshauptmann, ein weltlicher Beamter, hingegen brachte nicht einmal die in seiner Verantwortung liegenden Stiftskassa und die zugehörigen Dokumente vom Feuer weg.

Kurz vor Mitternacht erreichte der Brand seinen Höhepunkt, als die St. Gotthardkirche samt ihrem 104 Fuß großem Turm zu brennen begann. Von dort aus sprang das Feuer auch auf den Konvent und den Dachstuhl der Stiftskirche über, wobei die Kirche selbst kaum Schaden nahm.

In all dem Chaos ist nur ein Verletzter dokumentiert. Dieser wurde bis zum Hals verschüttet und laut dem Chronisten „angekokelt“. Der Mönch blieb abgesehen von Verbrennungen unverletzt und wurde vom Bader „nach einem viertel Jahr wiederhergestellt an das Stift zurückgegeben“.

Ein Teil der Ordensbrüder wurde vom Abt auf umliegende Klöster aufgeteilt, welche diese kostenlos versorgten. Teilweise ist der dazugehörige Briefwechsel noch im Stiftsarchiv vorhanden.

Nach dieser Katastrophe gab es im Stift Göttweig nur noch ein funktionierendes „Glöckchen“, die anderen neun wurden in dieser Nacht zerstört.

Lucas von Hildebrandt wurde mit dem Neubau des Klosters betraut. Die barocke Anlage sollte die gesamte Kuppe des Göttweiger Berges umfassen, auf dem das Stift thront. Doch der Plan konnte nicht umgesetzt werden. Gründe dafür waren die finanziellen Probleme des Klosters: Die Einnahmen stammten nur aus den Weingütern und waren nicht so ergiebig wie erhofft. Der Staat forderte zahlreiche Steuern und Abt Bessel gab sehr viel Geld anderweitig aus: Als Mann der Kunst und Wissenschaft, baute er im großen Stil Sammlungen auf. So gehen die Kunst- und Wunderkammer auf ihn zurück. Weiters förderte er seine Untertanen und richtete 1722 eine Trivialschule für die Kinder der Stiftsuntertanen ein. Dort erhielten sie kostenlos Unterricht in Lesen, Schreiben und Rechnen.

Nichtsdestotrotz gelang nach dem Brand eine Meisterleistung an Baukunst, die bis heute beeindruckt.

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