2 Wappen – 2 Geschichten

Hierbei handelt es sich um die Vergangenheit der Familie H. Es liegen zwei Dokumente vor, die nicht nur zwei verschiedene Wappen zeigen, sondern auch zwei Geschichten dazu erzählen. So handelte es sich bei Familie H. einerseits um eine altes, angesehnes Adelsgeschlecht aus Tirol, das 1602 den Wappenbrief verliehen bekam, andererseits soll die Familie aufgrund heldenhafter Kriegsleistung unter Kaiser Otto dem Großen, also schon im frühen Mittelalter, ein Wappen bekommen haben.

Wappen H. 1

Diese Bilder zeigen, dass die beiden Wappen sehr unterschiedlich sind, doch welches ist eine Fälschung? Gibt es überhaupt ein Wappen der Familie H.? Entstammt Familie H. tatsächlich einem Tiroler Adelsgeschlecht?

Wappen H. 2

In beiden Dokumenten ist eine Beschreibung der Wappen enthalten. Wappen werden immer bis ins letzte Detail blasoniert, dies ist beim rechten Wappen allerdings nicht der Fall, denn ein wesentliches Element der Beschreibung fehlt: die Farbenlehre. Diese ist für die heraldische Zuordnung ausschlaggebend.

Auffällig ist außerdem, dass bei beiden Wappen die Schildform nicht in zur jeweiligen Zeit der Verleihung passt, sondern erst im 19. Jahrhundert verwendet wurde. Beide Wappen sind belegt, das linke mit einem Helm und Helmzier, der ein Zeichen des Hochadels darstellt. Bei der Gestaltung des rechten Wappens war man etwas frecher, denn eine Krone war ausschließlich königlichen Familien vorbehalten.

Alleine von der Beschreibung der Wappen kann darauf schließen, dass es unwahrscheinlich war, dass eine normale Adelsfamilie ein Wappen, das mit einer Krone gekrönt wurde, als Familienwappen verliehen bekam. Doch wird eben dieses Wappen im europäischen Wappenbuch von 1207 erwähnt. Man könnte nun meinen, dass dies ein klarer Beleg ist, doch schauen wir genauer hin und recherchieren ein wenig nach, kann man folgendes feststellen:

  1. dieses Wappenbuch existiert nicht
  2. der Begriff „Europa“, mit dem Bezug auf den Kontinent, wird frühestens seit dem 18. Jahrhundert erwähnt

Somit darf dieser vermeintlichen Quelle nicht geglaubt werden!

Des Weiteren stellt man fest, dass beide Dokumente der Familie H. doch eher fragwürdige Verfasser haben, so war Max von Asten als Wappenfälscher tätig und weder er noch der Name H. wurden in einem Wappenbuch erwähnt.

Daraus kann man schließen, dass beide Dokumente und Wappen gefälscht wurden und dass Familie H. keinem Tiroler Adelsgeschlecht entstammt. Dies stellte 1905 auch Raimund Günther fest, da er in keinem seiner Wappenbücher etwas über Familie H. finden konnte.

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